Wohnung besenrein abgeben: Was bedeutet «besenrein» bei der Wohnungsabgabe?
«Besenrein» bedeutet bei einer Wohnungsabgabe in der Schweiz nicht einfach, einmal kurz durchzukehren. Entscheidend sind Mietvertrag und regionale Praxis; besonders Küche und Bad müssen auch bei einer besenreinen Übergabe häufig gründlich gereinigt werden.
Autor: Nikita von Niederhäuser, Immobilienexperte UrbanHome Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 11 Minuten
Räumen.
Reinigen.
Vertrag prüfen.
«Besenrein» klingt einfach, bedeutet aber nicht automatisch: einmal durchkehren und Schlüssel zurückgeben.
Wohnung vollständig räumen
Persönliche Gegenstände, Abfall und grober Schmutz müssen entfernt werden. Auch Keller, Estrich, Garage oder andere mitvermietete Nebenräume dürfen nicht vergessen werden.
Mietvertrag zuerst lesen
Prüfen Sie die Abgabe- und Reinigungsbestimmungen der Verwaltung. So erkennen Sie, ob «besenrein», gründliche Reinigung oder eine andere Regel vereinbart wurde.
Küche und Bad sind Sonderfälle
Je nach regionaler Praxis gelten dort deutlich höhere Anforderungen als in Wohn- und Schlafzimmern.
Was sagt das Schweizer Mietrecht zur Wohnungsabgabe?
Art. 267 OR verlangt, dass die Mieterschaft die Sache in dem Zustand zurückgibt, der sich aus dem vertragsgemässen Gebrauch ergibt. Normale Abnutzung ist damit grundsätzlich keine Schadenersatzposition der Mieterschaft. [3]
Reinigung und Abnutzung sollten getrennt beurteilt werden: Ein alter Parkettboden muss nicht «wie neu» aussehen. Entfernbare Verschmutzungen, Fett oder Kalk können dagegen eine Reinigungsfrage sein.
Bei der Rückgabe muss die Vermieterschaft den Zustand prüfen und Mängel, für welche sie die Mieterschaft verantwortlich machen will, grundsätzlich sofort melden. Aktuelle Zürcher Rechtsprechung konkretisiert diese Pflicht bei offen erkennbaren Mängeln. [4]
«Besenrein» plus Reinigungspauschale
In der Nordwestschweiz sehen viele Mietverträge eine besenreine Rückgabe vor. Für die anschliessende gründliche Reinigung wird in dieser regionalen Praxis häufig eine Pauschale von CHF 6.– pro Quadratmeter genannt. [1]
CHF 360.–
Bei CHF 6.– pro Quadratmeter ergibt sich rechnerisch eine Reinigungspauschale von CHF 360.–.
CHF 540.–
Bei CHF 6.– pro Quadratmeter ergibt sich rechnerisch eine Reinigungspauschale von CHF 540.–.
Die CHF 6.– pro Quadratmeter sind eine beschriebene regionale Praxis. Entscheidend bleibt die konkrete Regelung im Mietvertrag.
Was muss bei «besenrein» gereinigt werden?
Nach der vom Mieterinnen- und Mieterverband beschriebenen Nordwestschweizer Praxis werden insbesondere folgende Arbeiten erwartet. [2]
Gründlich reinigen
Fett entfernen und Küchenschränke reinigen.
Häufig vergessen: Schrankinnenflächen und Griffe.
Fett und Speisereste entfernen
Häufig vergessen: Bleche, Roste und Türdichtung.
Leeren und reinigen
Schubladen, Dichtungen und mögliche Gerüche beachten.
Fett entfernen
Nach der beschriebenen Praxis Filtereinsätze ersetzen.
Reinigen und entkalken
Armaturen, Duschwand und Fugen besonders kontrollieren.
Böden reinigen
Böden staubsaugen oder nass aufnehmen; Ecken und Sockel beachten.
Boden und Spinnweben
Boden nass aufnehmen und zurückgelassene Gegenstände entfernen.
Was muss bei «besenrein» grundsätzlich nicht gereinigt werden?
Nach dem beschriebenen Nordwestschweizer Gebrauch gehören folgende Bereiche grundsätzlich nicht zur Aufgabe der Mieterschaft. [2]
Fenster und Holzwerk
Fenster, Fensterrahmen und Holzwerk müssen nach dieser regionalen Praxis nicht gründlich gereinigt werden.
Rollläden und Heizkörper
Rollläden sowie Staub hinter den Heizkörpern gehören ebenfalls grundsätzlich nicht zur beschriebenen Besenrein-Reinigung.
Eine konkrete Vertragsbestimmung kann den geschuldeten Reinigungsstandard verändern.
Besenrein oder gründliche Schlussreinigung?
Der Unterschied betrifft vor allem Wohnräume, Fenster, Storen und weitere Oberflächen. Küche und Bad müssen auch bei der beschriebenen Besenrein-Praxis gründlich gereinigt werden.
Besenrein
Boden saugen oder nass aufnehmen.
Gründliche Reinigung
Böden, Oberflächen, Schränke und weitere Bereiche gründlich reinigen.
In beiden Fällen gründlich
Die Küche wird auch bei der beschriebenen Besenrein-Regelung gründlich gereinigt.
Reinigen und entkalken
Auch bei «besenrein» wird eine gründliche Reinigung erwartet.
Der grosse Unterschied
Bei «besenrein» grundsätzlich nicht Teil der beschriebenen regionalen Reinigung. Bei vollständiger Schlussreinigung innen und aussen sowie Simse reinigen, soweit zugänglich.
Vertrag prüfen
Bei Besenrein-Praxis grundsätzlich nicht Teil der Reinigung. Bei gründlicher Schlussreinigung je nach Vertrag und Zugänglichkeit reinigen.
Was bedeutet «besenrein» vor einer Totalsanierung?
Steht unmittelbar nach dem Auszug eine Totalsanierung an, beschreibt der Mieterinnen- und Mieterverband einen deutlich reduzierten Standard: Boden kehren sowie Küche und Bad so reinigen, dass Handwerker Geräte und Einrichtungen ohne unzumutbare Verschmutzung benutzen oder anfassen können. [2]
Wird nur ein Teil der Wohnung renoviert, gilt die Erleichterung grundsätzlich nur dort. Werden beispielsweise die Fenster ersetzt, müssen die alten Fenster nicht aufwendig gereinigt werden; für den Rest kann weiterhin die normale Reinigungsregel gelten.
Protokoll und Nachreinigung richtig organisieren
Reinigung, Schäden und normale Abnutzung sollten bei der Wohnungsübergabe sauber getrennt dokumentiert werden.
Nur unterschreiben, wenn Sie einverstanden sind
Der Mieterinnen- und Mieterverband empfiehlt, nur ein Protokoll zu unterschreiben, mit dessen Inhalt man einverstanden ist. Eine Pflicht zur Unterschrift besteht nicht. [1]
Beanstandete Stellen genau benennen
Fotos machen
Schmutz und Schäden getrennt dokumentieren
Abnahmegarantie vereinbaren
Wer eine Reinigungsfirma beauftragt, sollte eine schriftliche Abnahmegarantie vereinbaren.
Der Mieterinnen- und Mieterverband empfiehlt, dass bei der Wohnungsabgabe jemand der Reinigungsfirma anwesend oder sofort erreichbar ist, damit eine nötige Nachreinigung unverzüglich erfolgen kann. [1]
Wohnung besenrein abgeben.
Diese zehn Schritte helfen dabei, die Wohnungsabgabe strukturiert vorzubereiten.
Reinigungsregel prüfen
Mietvertrag und Abgabeinformationen auf die konkrete Reinigungsregel prüfen.
Besenrein oder gründlich?
Klären, ob «besenrein», gründliche Reinigung oder eine Pauschale vereinbart ist.
Alle Räume leeren
Wohnung, Keller, Estrich, Garage und weitere Nebenräume vollständig räumen.
Küche gründlich reinigen
Schränke, Backofen, Kühlschrank und Dampfabzug reinigen.
Bad und WC entkalken
Sanitäreinrichtungen gründlich reinigen und Kalk entfernen.
Wohnräume reinigen
Böden in den übrigen Räumen saugen oder nass aufnehmen.
Nebenräume kontrollieren
Kellerboden aufnehmen und Spinnweben entfernen.
Raum für Raum prüfen
Vor der Übergabe alle Räume kontrollieren und Fotos machen.
Unterlagen vorbereiten
Alle Schlüssel und Unterlagen für die Wohnungsabgabe bereitlegen.
Beanstandungen konkret festhalten
Beanstandungen protokollieren und vereinbarte Nachreinigungen sofort organisieren.
Zwei typische Situationen
2,5-Zimmer-Wohnung mit Besenrein-Klausel
Der Vertrag sieht «besenrein» plus Reinigungspauschale vor. Küche und Bad werden gründlich gereinigt, die übrigen Böden gesaugt beziehungsweise aufgenommen.
Fenster und Rollläden werden nach der beschriebenen regionalen Praxis nicht gründlich gereinigt.
Keine Besenrein-Klausel im Vertrag
Steht im Vertrag keine spezielle Reinigungsregel, sollte grundsätzlich eine gründliche Schlussreinigung der Wohnung und der dazugehörenden Nebenräume eingeplant werden.
Wohnung besenrein abgeben
Diese zehn Punkte sollten vor der Schlüsselübergabe erledigt sein.
Vorbereitung abgeschlossen
Mietvertrag geprüft
Reinigungsstandard geklärt
Wohnung vollständig geräumt
Nebenräume und Keller geräumt
Material oder Reinigungsfirma organisiert
Wohnung abnahmebereit
Küche gründlich gereinigt
Bad und WC gereinigt und entkalkt
Böden gereinigt
Fotos gemacht
Schlüssel und Protokoll vorbereitet
Quellen und Rechtsstand
Die rechtlichen und praktischen Aussagen basieren auf Informationen des Mieterinnen- und Mieterverbands, dem Schweizer Obligationenrecht und aktueller Zürcher Rechtsprechung.
Rechtsstand und Quellen geprüft am .
- Mieterinnen- und Mieterverband: Wohnungsabgabe & Protokoll
- Mieterinnen- und Mieterverband: Auszug – Was müssen Mieter*innen reinigen?
- Fedlex: Obligationenrecht, insbesondere Art. 267 und 267a OR
- Bezirksgericht Winterthur / Zürcher Rechtsprechung 2026 zu Art. 267 und 267a OR
Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
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Häufige Fragen zu «besenrein» und Wohnungsabgabe
Die wichtigsten Antworten kompakt erklärt.
Es gibt keine schweizweit einheitliche gesetzliche Definition. Entscheidend sind Mietvertrag und regionale Praxis.
Nach der beschriebenen Nordwestschweizer Praxis grundsätzlich nicht. Fenster, Fensterrahmen, Holzwerk und Rollläden gehören dort nicht zur Besenrein-Reinigung.
Ja. Küche und Bad werden in der beschriebenen Praxis trotz «besenrein» gründlich gereinigt.
Ja. Kalkablagerungen im Bad gehören nach der beschriebenen Nordwestschweizer Praxis zur Reinigung.
Dann ist die Wohnung samt Nebenräumen grundsätzlich gründlich zu reinigen.
Nein. Besonders verbreitet ist die Regel in der Nordwestschweiz; Vertrag und regionale Praxis sind entscheidend.
Bei unmittelbar anschliessender Totalsanierung kann ein deutlich reduzierter Reinigungsstandard genügen.
Nein. Entscheidend ist das Reinigungsergebnis. Bei einer Firma ist eine schriftliche Abnahmegarantie sinnvoll.
Grundsätzlich nein. Normale Abnutzung ist vom vertragsgemässen Gebrauch umfasst.
Die konkrete Stelle protokollieren, fotografieren und eine vereinbarte Nachreinigung möglichst sofort durchführen.
Fazit: «Besenrein» bedeutet meist mehr als nur durchkehren
«Besenrein» bedeutet in der Schweiz meist mehr als nur einmal durchzukehren. Prüfen Sie zuerst den Mietvertrag.
In der beschriebenen Nordwestschweizer Praxis müssen Küche und Bad trotz «besenrein» gründlich gereinigt werden, während Fenster, Fensterrahmen, Holzwerk und Rollläden grundsätzlich nicht dazugehören.
Fehlt eine spezielle Besenrein-Regelung, sollte grundsätzlich mit einer gründlichen Schlussreinigung gerechnet werden. Eine gute Dokumentation mit Fotos und einem konkreten Übergabeprotokoll reduziert das Risiko unnötiger Diskussionen.
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