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Wohnung mieten ohne Mietkaution: Angebote in der Schweiz nehmen stark zu

Immer mehr Mietinserate in der Schweiz werben mit «Mieten ohne Kaution» oder einer Kollektivversicherung, bei der keine drei Monatsmieten auf einem Sperrkonto blockiert werden müssen. Der Trend ist 2026 deutlich sichtbar, doch «ohne Mietkaution» kann sehr unterschiedliche Modelle bedeuten – und nicht jede Variante ist für Mieter kostenlos.

Autor: Nikita von Niederhäuser, Immobilienexperte UrbanHome Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 14 Minuten

01
Max. 3 Monatsmieten bei einer Geldsicherheit für Wohnräume Art. 257e OR
02
Kaution nicht zwingend nur geschuldet, wenn sie vereinbart wurde Mietvertrag ist entscheidend
03
3 Modelle Bankdepot, Einzelversicherung oder Kollektivlösung Kosten unterscheiden sich stark
04
Haftung bleibt keine Kaution bedeutet nicht keine Verantwortung Schäden und Forderungen bleiben relevant
Trend 2026

Mehr
Liquidität.
Weniger Depot.

Die klassische Mietkaution bindet beim Einzug viel Kapital. Kautionsfreie Angebote werden deshalb zunehmend als Vermarktungsargument eingesetzt.

Einzug finanziell erleichtern
01

Hoher Liquiditätsbedarf beim Einzug

Bei einer Wohnung mit CHF 2’000 Monatsmiete können bis zu drei Monatsmieten als Sicherheit verlangt werden. Gleichzeitig fallen häufig erste Miete, Umzug, Reinigung, Möbel und eventuell eine Doppelbelastung mit der alten Wohnung an.

02

Vermieter nutzen «ohne Kaution» als Vorteil

Für Vermieter und institutionelle Eigentümer kann ein kautionsfreies Angebot zu einem Vermarktungsmerkmal werden. Aktuelle Inserate zeigen, dass «Mieten ohne Kaution» direkt in Wohnungstiteln und Vermietungskampagnen verwendet wird.

03

Keine nationale Statistik

Eine offizielle Schweizer Statistik über die Zahl kautionsfreier Mietverträge gibt es nicht. Sichtbar ist aber eine breitere Anwendung – von individuellen Versicherungen bis zu Kollektivlösungen für ganze Liegenschaften und Neubauprojekte.

Drei Modelle

«Ohne Mietkaution» ist nicht immer dasselbe

Entscheidend ist, ob wirklich auf eine Sicherheit verzichtet wird, eine individuelle Versicherung verwendet wird oder eine Kollektivlösung des Eigentümers besteht.

03
Kollektivmodell

Eigentümer bezahlt Versicherung

Bei ausgewählten Modellen versichert die Eigentümerschaft mehrere Mietverhältnisse kollektiv.

Bei den beschriebenen Regimo-Modellen trägt die Eigentümerin die Versicherungsprämie. [3]

Liquidität: kein persönliches Depot erforderlich.

!
«Ohne Depot» bedeutet nicht automatisch kostenlos

Bei einer individuellen Mietkautionsversicherung bezahlt die Mieterschaft in der Regel selbst eine wiederkehrende Prämie.

Schweizer Mietrecht

Was sagt das Schweizer Mietrecht zur Mietkaution?

Art. 257e OR regelt Sicherheiten der Mieterschaft. Wird bei Wohnräumen eine Sicherheit in Geld oder Wertpapieren verlangt, darf sie höchstens drei Monatsmietzinse betragen. Geld muss bei einer Bank auf einem Sparkonto oder Depot hinterlegt werden, das auf den Namen der Mieterschaft lautet. [1]

Eine Mietkaution ist aber nicht automatisch Bestandteil jedes Mietverhältnisses. Der Mieterinnen- und Mieterverband hält fest, dass ein Mietzinsdepot geschuldet ist, wenn es im Mietvertrag vereinbart wurde. [2]

Eine Wohnung ohne klassisches Depot ist damit rechtlich grundsätzlich möglich. Entscheidend ist, welche Sicherheit im konkreten Vertrag vereinbart wird – oder ob die Vermieterschaft darauf verzichtet.

Beispiele 2026

Wo gibt es aktuell «Mieten ohne Kaution»?

03
Bern

Hochhuus Bern

Beim Hochhuus Bern wird für den Erstbezug 2026 ebenfalls mit einer Mietkautions-Kollektivversicherung und dem Wegfall der klassischen Sperrkaution geworben. [6]

Vorteile

Was bringt eine Wohnung ohne klassische Mietkaution?

Der grösste Vorteil liegt in der Liquidität beim Wohnungswechsel.

01
Liquidität

Mehr Geld bleibt verfügbar

Bis zu drei Monatsmieten müssen nicht zusätzlich blockiert werden

Weniger Doppelbelastung beim Wohnungswechsel

Mehr Budget für Umzug, Reinigung und Möbel

02
Einfacher Einzug

Weniger finanzielle Hürden

Kollektivmodelle können administrativ einfacher sein

Kein separates Depotkonto notwendig

Bei vergleichbaren Wohnungen kann der Einzug finanziell leichter werden

Kosten & Risiken

«Ohne Mietkaution» bedeutet nicht «ohne finanzielle Verpflichtung»

01
Individuelle Versicherung

Prämien sind laufende Kosten

Die Mieterschaft bezahlt wiederkehrende Prämien. Diese werden am Ende des Mietverhältnisses nicht zurückerstattet. Der Mieterinnen- und Mieterverband weist deshalb auf die langfristigen Kosten hin. [2]

02
Kollektivversicherung

Prämie kann entfallen – Haftung nicht

Ist die Prämie vom Eigentümer bezahlt, entfällt diese laufende Belastung für die Mieterschaft.

Trotzdem bleiben berechtigte Schäden, offene Mieten oder andere Forderungen bestehen.

Haftung

Keine Kaution bedeutet nicht: keine Haftung

Eine Mietkautionsversicherung ist keine Haftpflichtversicherung. Bezahlt der Versicherer dem Vermieter eine berechtigte Forderung, kann der Betrag je nach Vertragsmodell von der Mieterschaft zurückgefordert werden.

Regimo weist ausdrücklich darauf hin, dass verursachte Schäden weiterhin von der Mieterschaft getragen werden müssen. [3]

Eine private Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung für Mieterschäden bleibt deshalb wichtig.

Bewerbung

Welche Rolle spielt die Bonität?

Kautionsfrei bedeutet nicht automatisch weniger Prüfung.

Direkter Vergleich

Bankdepot oder Wohnung ohne Mietkaution?

Welches Modell sinnvoller ist, hängt vor allem von Liquidität, Mietdauer und Kostenverteilung ab.

03
Eigentümer zahlt

Kollektivversicherung

Finanziell besonders interessant, wenn weder eigenes Kapital blockiert noch eine eigene Prämie bezahlt werden muss.

04
Mieter zahlt

Gesamtkosten vergleichen

Jährliche Versicherungsprämien sind laufende Kosten und werden später nicht zurückbezahlt.

Vor dem Mietvertrag
In 8

Angebot «ohne Mietkaution» richtig prüfen.

Mit diesen acht Schritten lässt sich schnell erkennen, welche Kosten und Verpflichtungen tatsächlich bestehen.

Ziel Kosten vor Unterschrift verstehen
01
Inserat

Was steht wirklich im Angebot?

Prüfen, ob tatsächlich «ohne Kaution» oder lediglich «Mietkautionsversicherung möglich» steht.

02
Vertrag

Sicherheitsregel genau lesen

Ist eine Sicherheit vereinbart und wenn ja, in welcher Form?

03
Prämie

Wer bezahlt die Versicherung?

Eigentümer, Verwaltung oder Mieterschaft eindeutig klären.

04
Anbieter

Versicherer prüfen

Versicherer beziehungsweise Risikoträger identifizieren.

05
Kosten

Langfristige Kosten vergleichen

Jahresprämien über eine realistische Mietdauer mit dem klassischen Bankdepot vergleichen.

06
Bonität

Anforderungen kennen

Bonitätsanforderungen und benötigte Unterlagen vorab klären.

07
Haftung

Regressregeln lesen

Prüfen, was passiert, wenn der Versicherer dem Vermieter eine Forderung bezahlt.

08
Sicherheit

Keine ungeprüfte Vorauszahlung

Keine Kaution oder Versicherungsprämie aufgrund eines Inserats an unbekannte Personen überweisen.

Checkliste

Vor der Unterschrift prüfen

Zehn Punkte, die vor Abschluss eines kautionsfreien Mietvertrags geklärt sein sollten.

01–05
Kosten

Finanzielle Bedingungen verstanden

Kautionsregel im Vertrag geprüft

Keine versteckte Jahresprämie übersehen

Prämienzahler geklärt

Bankdepot mit Versicherungskosten verglichen

Gebühren und Kündigungsbedingungen geprüft

06–10
Sicherheit

Vertragspartner und Haftung geprüft

Vermieter oder Verwaltung verifiziert

Versicherer oder Risikoträger geprüft

Bonitätsanforderungen bekannt

Regress bei Schäden verstanden

Keine ungeprüfte Vorauszahlung geleistet

Quellen

Quellen und Datenstand

Die rechtlichen Aussagen und Beispiele basieren auf offiziellen Rechtsquellen, Informationen des Mieterinnen- und Mieterverbands sowie Angaben der jeweiligen Anbieter.

Rechts- und Datenstand:

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12 Fragen & Antworten

Ja. Eine Mietkaution ist nicht automatisch gesetzlich vorgeschrieben; sie wird in der Praxis meist im Mietvertrag vereinbart. Vermieter können auf ein klassisches Depot verzichten oder eine andere Sicherheitslösung anbieten.

Bei Wohnräumen darf eine als Geld oder Wertpapier geleistete Sicherheit höchstens drei Monatsmietzinse betragen. Wird Geld hinterlegt, muss es auf einem Bankkonto oder Depot auf den Namen der Mieterschaft liegen.

Das kann bedeuten, dass der Vermieter vollständig auf eine Kaution verzichtet, dass eine vom Eigentümer bezahlte Kollektivversicherung die Sicherheit übernimmt oder dass die Mieterschaft statt eines Bankdepots eine jährliche Prämie für eine Mietkautionsversicherung bezahlt.

Nein. Bei einer Mietkautionsversicherung wird zwar kein Geld auf einem Sperrkonto blockiert, die Mieterschaft zahlt aber in der Regel eine wiederkehrende Prämie und bleibt für berechtigte Forderungen verantwortlich.

Bei diesem Modell versichert die Eigentümerschaft mehrere Mietverhältnisse kollektiv. Bei aktuellen Regimo-Angeboten trägt die Eigentümerin die Versicherungsprämie, während die Mieterschaft kein eigenes Depot hinterlegen muss.

Beim Umzug fallen oft gleichzeitig erste Miete, Umzug, Reinigung und neue Möbel an. Wenn zusätzlich bis zu drei Monatsmieten blockiert werden, entsteht ein hoher Liquiditätsbedarf.

Doch. Der Verzicht auf ein Bankdepot ist keine Haftungsbefreiung. Bei berechtigten Forderungen können Vermieter oder Versicherer den geschuldeten Betrag weiterhin verlangen.

Das hängt vom Angebot ab. Bei den von Regimo beschriebenen kautionsfreien Objekten wird eine einwandfreie Bonität verlangt.

Nicht einseitig. Die Vermieterschaft muss die alternative Sicherheit akzeptieren, bevor ein bestehendes Bankdepot aufgelöst wird.

Häufig ja, wenn die nötige Liquidität vorhanden ist: Das Geld bleibt Eigentum der Mieterschaft und wird nach Freigabe zurückbezahlt. Versicherungsprämien werden dagegen nicht zurückerstattet.

Der Trend ist 2026 in aktuellen Inseraten und neuen Kollektivmodellen klar sichtbar. Eine amtliche schweizweite Zeitreihe zur Zahl kautionsfreier Wohnungen existiert jedoch nicht.

Achten Sie auf Begriffe wie «Mieten ohne Kaution», «ohne Depot», «Kollektivversicherung» oder «Mietkautionsgarantie» und prüfen Sie die Vertragsbedingungen genau.

Das Wichtigste

Fazit: Kautionsfrei kann sehr attraktiv sein – aber das Modell entscheidet

Wohnungen ohne klassisches Mietzinsdepot sind 2026 in der Schweiz deutlich sichtbarer geworden. Besonders interessant sind Eigentümermodelle mit Kollektivversicherung, bei denen die Mieterschaft weder Kapital blockiert noch selbst eine Versicherungsprämie bezahlt.

Eine individuelle Mietkautionsversicherung ist dagegen vor allem eine Liquiditätslösung: Sie ersetzt das Bankdepot, verursacht aber laufende Kosten. Unabhängig vom Modell bleiben Mieter für berechtigte Forderungen und Schäden verantwortlich.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das Inserat: «ohne Kaution», «ohne Depot», «Kollektivversicherung» und «Mietkautionsversicherung» können finanziell sehr unterschiedlich sein.

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